Beiträge zu bildgebenden Diagnostik an der Hand

Biomechanik der Handwurzel

Trotz des raschen Wissenszuwachses im letzten Jahrzehnt bleiben viele Aspekte zur karpalen Funktion noch unklar.

Kinetik der karpalen Kraftübertragung

Die Handwurzel muss nicht nur externen Krafteinwirkungen widerstehen, sondern auch den internen Kräften, die aus Muskelkontraktionen resultieren. Dabei wirkt die gesamte Kraft auf die distale Handwurzelreihe ein, von wo aus sie nach proximal weitergeleitet wird. In Höhe des Mediokarpalgelenks werden ca. 60% der Kraft über das Skaphoid-Lunatum-Kapitatum-Kompartiment übertragen, während am Radiokarpalgelenk ca. 50% der Kraftübertragung über das radioskaphoidale, 30% über das radiolunäre und 20% über das ulnokarpale Kompartiment erfolgen.

Aufgrund ihrer kräftigen Bandverbindungen kann die distale Handwurzelreihe als eine funktionelle Einheit betrachtet werden. Weil keine Sehnen an der proximalen Handwurzelreihe ansetzen, finden sich alle Rotationsachsen in Höhe der distalen Reihe. Hier beginnen die Rotationsbewegungen und setzen sich anschließend auf die proximale Reihe fort. Flexions-Extensionsbewegungen werden sowohl am Radiokarpal- als auch am Mediokarpalgelenk ausgeführt.

Kinematik der proximalen Handwurzelreihe

Flexions-Extensions-GradeAuf die proximale Handwurzelreihe wirken gegensätzlich gerichtete Kräfte ein. So neigt das Skaphoid unter axialer Last zur Flexion, während sich das Lunatum zusammen mit dem Triquetrum in eine Extensionsstellung begibt. Die Elemente der proximalen Reihe, die weniger fest untereinander verbunden sind, bewegen sich zwar in synergistischer Richtung, jedes Element ist jedoch hinsichtlich des Bewegungsumfangs unterschiedlich mobil.

Wegen seiner kleineren proximalen Kurvatur ist der Bewegungsumfang des Skaphoid um ca. 30 Grad größer als der des Lunatums. Als weitereStabilisation des Skaphoids Besonderheit ist die Kraftausrichtung am Skaphoid doppelschräg parallel zu dessen Längsachse orientiert, wodurch ein Kraftvektor nach dorsal und proximal resultiert. Der dorsale Kraftvektor wird durch die palmare Inklination der Fossa scaphoidea radii antagonisiert. Der proximale Kraftvektor ist mit einer Flexionstendenz des Skaphoids verbunden, der das Lig. scapholunatum und die sekundären Stabilisatoren (STTL, RSCL) und der Bogensehneneffekt der FCR-Sehne entgegen steuern.

Das Lunatum, das zwischen den stabilen Elementen des Radius und des Kapitatums interponiert ist, weist eine große Instabilität aufgrund seiner nur geringen Ligamentfixierung auf. Seine funktionelle Lage in der proximalen Handwurzelreihe wird durch vielfältige Krafteinflüsse bestimmt , nämlich durch die Auflageflächen in den radiolunären und kapitatolunären Gelenkkompartimenten proximal bzw. distal, durch die Spannung der SL- und LT-Ligamente radial- bzw. ulnarseitig sowie durch die Kontraktionskräfte der Flexoren- und Extensorenmuskulatur palmar- bzw. dorsalseitig.

Mehrachsige Kinematik der Handwurzel

Die Flexions- und Extensionsbewegungen werden in den radiokarpalen und mediokarpalen Gelenken zu annähernd gleichen Umfängen ausgeführt. Die maximal mögliche Flexion beträgt ca. 80 Grad, die maximale Extension ca. 85 Grad. Die Radialduktion umfasst einen Bewegungsumfang von ca. 25 Grad, die Ulnarduktion von ca. 40 Grad, beide umeine sagittal gerichtete Achse durch den Kapitatumkopf. Die Kinematik der radioulnaren Abduktionsbewegungen ist jedoch durch die Kombination mehrachsiger Bewegungsmuster komplex. Zum Beispiel dreht sich die proximale Handwurzelreihe simultan während der Radialduktion in eine Flexionsstellung und Bewegungen der Radial- und Ulnarduktiongeht umgekehrt während der Ulnarduktion in Extension. Die stetige Beweglichkeit der beiden Handwurzelreihe aus einer Ebene wird hauptsächlich durch Ligamente kontrolliert, die alle das Mediokarpalgelenk überspannen und stabilisieren (TCSL, SCL und dRLTL).

In allen Positionen der Hand wird eine Gelenkkongruenz zwischen dem Unterarm und der distalen Handwurzelreihe aufrecht erhalten, während die karpale Höhe konstant ist. Dabei kommt der proximalen Handwurzelreihe die Funktion eines flexiblen Platzhalters zwischen den stabilen Einheiten des Unterarms und der distalen Reihe zu.

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