Gefäß-Bildgebung

Aortoiliakale Verschlüsse

Bei der aortoiliakalen pAVK  dominiert die Arteriosklerose in 90 bis 95% der Fälle gegenüber kongenitalen, entzündlichen Läsionen und  postembolischen Verschlüssen. Das Patientenalter beträgt durchschnittlich 50 Jahre und ist um 10 Jahre geringer als bei der femoropoplitealen pAVK. Männer sind 4-mal häufiger betroffen. Da in 20 bis 40% eine koronare Herzkrankheit assoziiert ist, sollte die kardiale Situation mit abgeklärt werden.

Es imponieren atheromatös-ulzeröse Plaques, selten transmurale Kalzifikationen („Korallenriff“-Aorta) und die „small aortic disease“ (vorwiegend bei Frauen mit Nikotinabusus). Die Arteriosklerose der Aorta hat eine bevorzugt infrarenale Lokalisation mit zwei Manifestationsarten:
okkludierende Plaques rufen eine Stenose oder einen Verschluss hervor (Pfeile),
die Wandsklerose führt zum Aneurysma der Aorta.

Beim beidseitigen Beckenverschluss finden sich belastungsabhängige Beschwerden im Gesäß und Oberschenkel („Claudicatio glutealis“). Unilaterale Verschlüsse und das chronische Leriche-Syndrom werden häufig kompensiert. Erst bei bilateralen Verschlüssen zusammen mit Iliaca-interna- oder Profunda-Blockaden und beim Mehretagenproblem stellt sich eine periphere Durchblutungsstörung ein („Claudicatio cruris“). Selten kommt es zur kritischen Ischämie, es sei denn, dass arteriosklerotisches Material nach peripher mit Ausbildung eines „blue-toe“-Syndroms embolisiert wird. Weitere Symptome sind die sexuelle Dysfunktion beim Mann bei der Iliaca-interna-Blockade sowie die postprandiale Angina abdominalis bei Stenosen des Truncus coeliacus oder der A. mesenterica superior bzw. inferior.

Klassifikation

Die Morphologie von aortoiliakalen Läsionen (Lokalisation, Schweregrad, Länge) wird nach den Kriterien der TASC-II-Klassifikation beurteilt (Transatlantic Intersociety Consensus).

Klassifikation der aortoiliakalen pAVK nach TASC II
Typ Stenosen- und Verschlusssegmente
A
•    uni- oder bilateral Stenose(n) < 3cm der A. iliaca comm.
•    uni- oder bilaterale Stenose(n) < 3cm der A. iliaca ext.
B •    Stenose < 3cm der infrarenalen Aorta abdominalis
•    unilateraler Verschluss der A. iliaca comm.
•    unilaterale Stenose(n) von 3-10cm der A. iliaca ext. (ohne A. fem. comm.)
•    unilateraler Verschluss der A. iliaca ext. (ohne A. iliaca int. / A. fem. comm.)
C •    bilaterale Verschlüsse der A. iliaca comm.
•    bilaterale Stenosen 3-10cm der A. iliaca ext. (ohne A. fem. comm.)
•    unilaterale Stenose der A. iliaca externa (mit A. iliaca ext. und A. fem. comm.)
•    unilat., verkalk. Stenose der A. iliaca ext. (ohne/mit A. il. ext., A. fem. comm.)
D •    infrarenaler Verschluss der Aorta abdominalis
•    bilaterale, diffuse Läsionen der Aorta abdominalis und Aa. iliacae
•    unilaterale, diffuse Stenosen der A. iliaca comm. und ext., A. fem. comm.
•    unilateraler Verschluss der A. iliaca comm. und ext.
•    bilaterale Verschlüsse der Aa. iliacae ext.
•    Stenosen der Aa. iliacae bei Aneurysma der Aorta abd. und chirurg. Indikation
•    andere Läsionen, die eine offene Chirurgie der Aorta / Aa. iliacae erfordern


MRA-BefundeAortoiliakale pAVK

Die Veränderungen können fokal oder diffus verteilt sein
Prädilektionsstellen der aortoiliakalen pAVK sind die Aortenbifurkation (Pfeile) sowie die Gabelungen der Iliakalarterien
Seltener ist der Befall des suprarenalen und unmittelbar infrarenalen Abschnitts der Aorta abdominalis mit Verschlüssen der Viszeral- und Nierenarterien
Es finden sich unterschiedliche Gefäßdiameter mit stenosierten, dilatierten bzw. elongierten oder verschlossenen Segmenten. Ulzerationen in der Gefäßwand sind selten
Es werden konzentrische von exzentrischen Stenosen unterschieden
Die Kollateralkreisläufe umfassen bei aortoiliakalen pAVK die Interkostal- und Lumbalarterien, das Iliaca-interna-Stromgebiet, die Mesenterialarterien und das epigastrische Gefäßnetz sowie die femoroprofundale Strombahn mit folgender Kollateralwegen:
- über Aa. lumbales (Pfeil), A. iliolumbalis und A. iliaca interna (offener Pfeil) zur A. iliaca externa
- über die A. iliaca interna, A. obturatoria (offener Pfeil) und A. circumflexa femoris medialis  (Pfeil) zur A. femoris communis
- über Aa. lumbales, A. epigastrica inferior (offener Pfeil), evtl. mit A. circumflexa  iliaca profunda zur A. iliaca externa
- über die Aa. lumbales , A. iliolumbalis, die Aa. gluteae, Aa. circumflexae femores medialis et lateralis zur A. iliacae externa
- über die A. mesenterica superior und inferior Riolan’sche Anastomose), Aa. rectales und die Beckenwandarterien zu den Aa. femores
Mit langsamer Progression schreitet die aortoiliakale pAVK fort:
- Nach proximal kommt es zum thrombotischen Verschluss der infrarenalen Aorta abdominalis, wobei die Nierenarterien wegen ihres hohen Flusses in der Regel offen bleiben.
- Bei Patienten mit mehreren Risikofaktoren ist die aortoiliakale pAVK gehäuft mit Läsionen der femoropoplitealen und kruralen Segmente sowie der A. renalis vergesellschaftet.

Differenzialdiagnosen: Eine Pseudoclaudication kann hervorgerufen werden durch eine Spinalkanalstenose, eine Polyneuropathie, das Spinalis-anterior-Syndrom sowie durch Koxarthrosen.

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