Kulturelles

Rembrandts Nachtwache

1983 haben wir im Amsterdamer Reichsmuseum das Gemälde „Die Nachtwache“ von Rembrandt bewundern dürfen. Wir waren von der Ausstrahlung des Kunstwerks begeistert.

Die Bezeichnung „Nachtwache“, die das Bild erst um 1800 wahrscheinlich wegen der Nachdunkelung seiner Firnisse erhalten hat, ist irreführend. Rembrandt hat in seinem Motiv die Kompanie der Bogenschützen dargestellt, die im Jahre 1638 beim festlichen Einzug der französischen Königin Maria de’Medici in Amsterdam Spalier gestanden haben. Bei der Kompanie handelt es sich nicht etwa um einen militärischen Verband, sondern vielmehr um eine gesellige Amsterdamer Gilde, die im 17. Jahrhundert zusammen mit den Armbrust- und Bogenschützen aus Bürgerwehren hervorgegangen war.

  In seiner Nachtwache stellt Rembrandt die Bogenschützen in einer bewusst heterogenen Alltagsszene dar. In dem Gruppenportrait werden die Persönlichkeiten entsprechend ihrer Gewichtigkeit ins künstlerische Licht gesetzt: Im Vordergrund stehen der in Schwarz gewandete Hauptmann Frans Banning Cocq und in gelber Uniform der Leutnant Willem van Ruytenburch, seitlich eskortiert von einem fahnenschwenkenden Fähnrich und von einem Trommler, während im Hintergrund drei Männer mit unterschiedlichen Gewehrübungen positioniert sind. Hier findet sich auch eine hell dargestellte Frau mit einem Huhn an ihrem Gürtel, dessen Klauen die Bogenschützengilde symbolisieren sollen. Die Personen im Bild stehen in Untergruppen zusammen, die durch subtile Farbkorrelationen zu einem Ganzen vereint werden. Die für die flämische Malerei typische Bilddiagonale fehlt weitgehend. Rembrandts Absicht war es, mit seiner Nachtwache die Bedeutung der Bürgerwehren für die Freiheit und den Wohlstand der Amsterdamer Bevölkerung hervorzuheben. Rembrandts Zeitgenossen empfanden die Nachtwache als provozierend, weil dessen Ikonographie und Symbolkraft formal und inhaltlich dem Zeitgeist zuwiderliefen.

Das Bild in Öl hat die Maße von 363m x 438m und ist nach langen Präsentationen im Schützenhof und im Amsterdamer Rathaus heute im Reichsmuseum (www.rijksmuseum.nl) zu bestaunen.

Rembrandt Harmensz van Rijn wurde 1606 in Leiden in den Niederlanden geboren. Nach seiner Schul- und Universitätszeit und Malereitätigkeit in Leiden ging er 1631 nach Amsterdam, wo er sich anfangs der Portraitmalerei, später der flämischen Barockmalerei und auch der Graphik verschrieb. In Armut verstarb Rembrandt 1669 in Amsterdam.

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